Ein Äthiopien-Abenteuer

Vom 8. bis 16. April 2014 besuchten Lehrer und Schüler sowie Mitglieder der Stendaler Laufgruppe Haeder die Partnerschule des Diesterweg Gymnasiums Tangermünde-Havelberg in Äthiopien.
Die Schulsprecherin Kim Reinfeldt und die Schülerin Sophia Groß begleiteten ihre Lehrer Barbara Birkholz und Detlef Pohl sowie das Mitglied der Initiative aus Stendal Jürgen Roswandwitz, dessen Schwester und Dieter Wartenberg auf diese dienstliche Reise in eines der ärmsten Länder der Welt.
Bereits bei ihrer Ankunft wurde ihnen klar, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur überkontinental herrscht, sondern auch innerhalb der Stadt deutlich zu spüren war. So war das Tauschen von Geld nur in den vornehmeren Hotels der äthiopianischen Hauptstadt Addis Abeba möglich.
Aus Deutschland brachte die Gruppe eine große Menge an Spenden mit. Wichtige Schulutensilien (650 Heften und Stiften, 150 Beutel, 11 Anspitzmaschinen, 6 Wachsmalsets, 20 Lehrermappen und 11 Bälle) wurden in der Haupstadt Addis Abeba besorgt und von Spendengeldern aus Deutschland bezahlt.
Doch bevor diese Dinge in den darauffolgenden Tagen an die Schüler und Lehrer in Shafamu verteilt werden konnten, durfte die Gruppe einen vom äthiopienerfahrenen Dieter Wartenberg organisierten, typischen kulturellen Abend genießen. Bei Tänzen konnten sich die Deutschen ausprobieren. Das erwartete heiße Wetter, ließ auch auf sich warten. Somit mussten anfangs noch die Jacken angezogen werden.
Am darauf folgenden Tag ging die Reise weiter nach Welkite, einer Stadt, die als Zwischenstopp diente. Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhr die Gruppe weiter zum Schulstandort. Das Dorf Shafamu mit seinen circa 4500 Einwohnern liegt 230 Kilometer südlich von Addis Abeba und verfügt weder über fließendes Wasser, noch befestigte Straßen oder Elektrizität.
Während sich die Gäste einen Eindruck von der Schule verschafften, vieles registrierten, was zu reparieren ist, entdeckten sie auch Landkarten, die bereits vor drei Jahren mitgebracht worden waren. Die anfänglichen Berührungsängste der Kinder schwanden schnell.
Die gastfreundliche und offene Art, die der Gruppe zuteil wurde, diente als zusätzlicher Ansporn, bis spät in die Nacht letzte Vorbereitungen zur Geschenkübergabe zu erledigten.
Nachdem die schwierigen Straßenverhältnisse überwunden waren und die Gruppe zum normalen Unterrichtsgeschehen dazu stoßen konnte, stellten sich Lehrer und Schüler einzeln vor und berichteten von ihrer Heimat. Anschließend bekam jedes Kind einen Stift, ein Heft und einen Stoffbeutel überreicht.
Als die Übergabe erfolgreich bewältigt war, erfuhren Lehrer und Schüler Näheres über das alltägliche Leben der Kinder, lernten etwas über ihre Freizeitgestaltung und hörten sich typische Sagen und Märchen an.
Außerdem führten Frau Birkholz und Herr Pohl konstruktive Gespräche mit Lehrern der Schule, in denen es um Verbesserungsvorschläge, Wünsche und dringende Anschaffungen ging.
Neben dem geschäftlichen Besuch der Schule stand auch die Kultur bzw. das alltägliche Leben der Menschen Äthiopiens im Mittelpunkt der Reise. So wurde der Reisegruppe unter anderem der Zutritt in ein typisches Haus gewährt. In den Rundhütten leben Nutztiere und Menschen unter einem Dach, teilen sich sogar fast die Schlafplätze und die Küche.
Am 4. Tag führte der Weg die Gruppe in eine der größten Städte des westlichen Äthiopiens. Neben dem Flusslauf und der traditionellen Mehlherstellung konnten sie ein heftiges, jedoch typisches tropisches Gewitter erleben, welches nicht an deutschen Maßstäben zu messen ist.
Da Wasser eine sehr wichtige Rolle in Afrika spielt, besuchte die Gruppe den Fluss Didessa und einen seiner Wasserfälle. Dieser fließt durch den größten zusammenhängenden Kaffeewald der Welt, welcher 2010 in die Liste der UNSECO-Biosphären-Reservate aufgenommen wurde. Alles in der Umgebung erinnert an den tropischen Regenwald, da neben riesigen Bäumen und Palmen- bzw. Bananenblättern, auch die uns bekannten tropischen Früchte wie Ananas, Mango und Papaya wild wachsen.
Da Äthiopien mit rund 370.000 Tonnen Kaffeebohnen im Jahr auf Platz 5 der Weltliste steht, gehörte der Besuch einer Kaffeeplantage zum Pflichtprogramm. Das Fehlen der Kaffeebohnen – die Erntezeit war bereits vorbei – konnte durch das Beobachten von Kappuzineräffchen wieder ausgeglichen werden.
Am letzten Tag der Reise traf sich die Gruppe noch einmal in Addis Abeba mit dem Schulleiter der Schule „Marathon“, um letzte Besorgungen zu tätigen. So wurden circa 700 Schulbücher für Englisch, Mathematik, Geografie usw. und biologische Modelle, plastische Bilder, ein Mikroskop, ein Skelett, diverse Chemikalien und ein Torso im Wert von 1520 Euro gekauft. Weiterhin kaufte die Stendaler Initiative im Wert von circa 1230 Euro Regale, Labortische, verschließbare Schränke und Wandtafeln. Sie unterstützte außerdem die ca. 60 Waisenkinder, die im Dorf von Verwandten betreut werden.
Für den Einkauf der Souvenirs für Familie, Freunde und die Schule, die Schüler hatten eigens dafür einen Kuchenbasar durchgeführt, blieb nur der späte Abend. Gegen 21.30 Uhr verabschiedeten wir auch den Schulleiter Abraham, der mit einem gemieteten LKW, bepackt mit all den Schulmaterialien, glücklich die Heimreise antrat. So endete eine unvergessliche Reise.
Ein besonderer Dank geht an Dr. Dieter Wartenberg, der mit seinem kompetenten Fachwissen und seinen hervorragenden Kontakten die Reise so unvergesslich gemacht hat. Sein 23 jähriger Ziehsohn Birhano war neben Ababa, unserem Reiseleiter, Chauffeur und Dolmetscher, eine Bereicherung für die Gruppe. Beide waren ständig bemüht, unsere Ideen und Wünsche umzusetzen. Unsere Englischkenntnisse konnten erprobt und angewendet werden und wir erhielten durch die beiden Äthiopier vielfältige Einblicke in Lebensweisen, Kultur und Wirtschaft des Landes.