
„Goldene Hochzeit“ am Diesterweg-Gymnasium – Deutsche und tschechische Schüler begehen zum fünfzigsten Mal die Schulpartnerschaft
Vom 14. bis zum 21. September 2025 begegneten sich elf Schüler des Tangermünder Diesterweg-Gymnasiums und elf Schüler des Partnergymnasiums im tschechischen Polička beim internationalen schulischen Austausch. Auch tschechische Lehrer-Kollegen besuchten unsere Schule für drei Tage.
Die tschechischen Schüler wohnten in den Familien der deutschen Schüler, wobei sie den familiären und schulischen Alltag ihrer Gastgeber kennenlernen konnten. Die gemeinsame Woche war durch die Arbeit an einem zentralen Thema sowie Ausflüge zur Förderung des sozialen Miteinanders geprägt.
Vorurteile überwinden und Akzeptanz fördern
Die Jugendlichen der zehnten Klassenstufen schafften dabei das, was viele in der Welt der Erwachsenen scheinbar kaum noch zu leisten vermögen oder zu wollen scheinen: Die Schüler überwanden Hürden der kulturellen und sprachlichen Fremdheit, indem sie sich mit Offenheit und Neugier auf den jeweils anderen einließen. Die Erkenntnis aus der Begegnung, dass es trotz der verschiedenen Herkunft und Sprache sehr viele verbindende Merkmale gibt, wird die Schüler auf ihrem weiteren Lern- und Lebensweg begleiten. Wurden doch Unterschiede ausgemacht, boten diese einen Anlass für vertiefende Gespräche und der Suche nach Erklärungen sowohl zwischen den jugendlichen als auch den erwachsenen Teilnehmern – ein Austausch im wahrsten Sinne.
Auf den Spuren jüdischen Lebens in Tangermünde
Nachdem sich die Schüler am ersten Schultag kennengelernt hatten, begann für sie die Arbeit an einem sensiblen und ernsten Thema, welches beide Nachbarländer historisch verbindet: Unter dem Titel „Erinnern, mahnen, handeln – eine Welt ohne Krieg und Faschismus“ setzten sich die Schüler in kreativer Weise mit der Vergangenheit des Holocausts auseinander, indem sie sich vor Ort in Tangermünde im Rahmen einer Stadtführung mit dem Leben jüdischer Familien beschäftigten. Dank der großzügigen ehrenamtlichen Unterstützung von Frau Petra Hoffmann erhielten die Schüler tiefgreifende Informationen und Hintergründe über das Leben und Sterben der ehemaligen Bürger der Stadt.
An den nächstfolgenden Tagen entstanden in den Vormittagsstunden reichhaltige Ergebnisse: Eine Gruppe erstellte Plakate zur Nutzung im Außenbereich, eine zweite Gruppe visualisierte die Spuren der drei jüdischen Familien anhand des Stadtzentrums in Form einer Wandzeitung, eine weitere Gruppe wurde in Gedichtform schriftstellerisch sowie eine vierte Gruppe schauspielerisch für einen Kurzfilm tätig. Die Schüler arbeiteten dabei immer in einer deutsch-tschechischen Gruppe zusammen, sodass die Produkte zweisprachig wachsen konnten. Die Schüler kommunizierten mühelos miteinander; Englisch war die Mittlersprache, und dort, wo es sprachlich haperte, verständigte man sich nach Janes Aussage eben auch mit Händen und Füßen.
Unterbrochen wurde die gemeinsame Arbeit am Mittwoch für eine gemeinsame Fahrt nach Oranienburg und Berlin. Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Thema stand ein Besuch des KZ Sachsenhausen in Oranienburg an. Die Schüler erfuhren in einer englischsprachigen Führung allgemeines Hintergrundwissen darüber, warum und welcher Art Millionen Familien wie auch der aus Tangermünde Leid und Tod zugefügt wurde. Im Anschluss begaben sich die Teilnehmer nach Berlin-Mitte. Am Mahnmal der ermordeten Juden Europas und im unterirdischen Museum konnten sich alle ein Bild über die Bedeutsamkeit und Art und Weise des Erinnerns und Gedenkens machen, damit solche Menschheitsverbrechen zukünftig nicht wiederholt werden. Im Anschluss konnten die Austauschpartner beim Erkunden von Sehenswürdigkeiten ihre Freundschaften weiter festigen.
Am Donnerstagabend reisten die tschechischen Kollegen an. Das Jubiläum der Partnerschaft wurde mit allen Teilnehmern am Austausch nach der Begrüßung in der Schulaula bei einem gemeinsamen Abendessen in Schulzens Brauerei gefeiert. Die Schulleiter beider Gymnasien resümierten dabei die vergangenen Jahrzehnte der Partnerschaft und überreichten einander Glückwünsche und kleine Präsente zum Fortbestehen der Partnerschaft.
Am Freitag gab es nach der Fertigstellung der Ergebnisse eine Präsentation in der Aula. Alle Projektgruppen stellten dabei Schülern und Lehrern der siebten, achten, neunen und zehnten Jahrgangsstufe in Deutsch und Tschechisch ihre Arbeiten vor. Mit großem Beifall erhielten die Austauschschüler viel Anerkennung für die Qualität und Mühen in ihren Ergebnissen. Zurecht durften alle stolz auf sich sein.
Das Produkt-Video einer Arbeitsgruppe ist auf Youtube abrufbar: Tangermünde Conitzer family project
Der letzte gemeinsame Ganztag führte die Teilnehmer am Samstag nach Warnemünde. Mit dem Besuch der Robben-Station erhielten alle interessante Informationen und Eindrücke über das Ziel und die Arbeitsweise dieser wissenschaftlichen Einrichtung mit den Tieren. Schnell zogen die niedlichen Tiere uns Besucher in ihren Bann. Im Anschluss konnten die neuentstandenen Freundesgruppen den Strand und die Promenade zusammen entdecken und manche kulinarische Besonderheit probieren.
Danke und Glück für die Zukunft
Nachdem es am Sonntagmittag hieß, schweren Herzens Abschied voneinander zu nehmen, bleibt nun der Eindruck und die Erfahrung einer großartigen Woche mit reichhaltigen menschlichen Begegnungen und Freuden. Trotz des ernsten Themas und der einstigen Fremdheit fanden die Jugendlichen zueinander, die für sich eine gemeinsame Zeit mit Erinnerungswert schufen.
Wir danken allen deutschen und tschechischen Schülern und Freunden dafür, dass sie den Mut und die Neugier dafür aufbrachten, sich auf neue Menschen und eine neue Kultur und Sprache einzulassen.
Ein großer Dank gilt den Eltern für die Unterstützung und für das Vertrauen in einen unbekannten Mitmenschen für die Förderung der interkulturellen Begegnung ihrer Kinder.
Wir danken allen Teilnehmern und nicht zuletzt unseren finanziellen Förderern – dem Deutsch-tschechischen Zukunftsfond in Prag, der Hugo-Meyer-Nachfahrenstiftung in Tangermünde sowie der Kaschade-Stiftung in Stendal – für die Chance, junge Menschen, die europäische Nachbarn sind, einander näher zu bringen und Vorteile und Ressentiments abzubauen.
Allen Schülern wünschen wir, dass sie auf ihre positiven Erfahrungen aufbauen und ihre neuen Freundschaften noch lange miteinander forttragen können.
(Autor und Fotos: NEU)

